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Suchtprophylaxe - Rauchausstieg in der Schule

Zwei Drittel aller jugendlichen Raucher hat schon einmal versucht seinen Konsum einzuschränken oder einzustellen. Ohne Unterstützung gelingt es den wenigsten. Der Markt für Rauchentwöhnung oder Rauchausstiegsangebote ist groß. Sind diese Angebote aber auch für Jugendliche passend?

Fast alle Rauchausstiegskonzepte, die momentan auf dem sehr unübersichtlichen Markt angeboten werden, orientieren sich an der Lebenswelt und Entscheidungsfähigkeit eines Erwachsenen. Für Kinder und Jugendliche ist ein Ausstieg weniger eine Frage der Entscheidungskraft, sondern ein Lernprozess, der altersgemäß unterstützt und begleitet werden muss.

Angebote für schulpflichtige Jugendliche sollten den schulischen Rahmen nutzen, er bringt wenig Nachteile, aber viele Vorteile mit sich. Als Hauptnachteil wäre die klassische Lehrerrolle zu benennen: Die Erwartungshaltung von Benotung, Beurteilung, etc. könnte einige Schüler/innen behindern, sich Lehrern/innen anzuvertrauen, die einen Rauchausstiegskurs anbieten. Demgegenüber hat ein Rauchausstiegskurs, der von kompetenten Lehrern/innen angeboten wird, eine Reihe von Vorteilen: Die intensiven und kontinuierlichen Beziehungen, die Schule bietet, können sehr gut nutzbar gemacht werden. Ein Lernen in altersgemischter Gruppe, in gegenseitiger Unterstützung, in Atmosphäre von Ehrlichkeit und Offenheit kann in einer Freiwilligengruppe, einer zeitweiligen Arbeitsgemeinschaft gut hergestellt werden. Und nach gelungenem Ausstieg gibt es Schüler und Lehrer, die sich über das Wohlergehen weiterhin erkundigen können. Dieser Kontakt dient der Rückfallprophylaxe angelehnt an die Erfahrungen, die nach klinischem Entzug auf anderen Gebieten gemacht werden: Wer allein gelassen wird, ist rückfallgefährdet.

Für Jugendliche muss das Angebot zum Rauchausstieg sowohl Set (psycho-physische Kondition des Pubertierenden bzw. Adoleszenten) als auch Setting (Schule, Freizeitbereich, Familiensituation, Peerrolle) berücksichtigen. Hierfür gibt die schulische Arbeitsgruppe Zeit und Raum.

Der Weg in die Sucht, auch in die Nikotinabhängigkeit, ist immer an Beziehungen gekoppelt (Freundschaft, Peerverhalten, Schulposition bzw. -erfolg). Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der Beziehungsaufbau, Beziehungsgestaltung und die Fähigkeiten zur Stabilisierung einer Beziehung noch erlernt werden. Rauchausstiegsangebote für Schüler/innen sollten dieses berücksichtigen und dementsprechend Beziehungsangebote (Nachfragen, Alltagskontakt z. B. bei der Pausenaufsicht, Rückfallprävention) machen.

Angebote zum Rauchausstieg, die außerhalb der Schule verortet sind, bieten nicht die Kontinuität der Betreuung und des Kontaktes im schwierigen Alltag nach dem Ausstieg (z. B. Wochenendverhalten in der Disko und bei Partys, "Montagsverhalten", Stressbewältigung bei schulischen Anforderungen). Die Jugendlichen werden bei einem Selbstlernprogramm oder bei Kursen externer Anbieter allein gelassen. Dies entspricht nicht den Anforderungen an schulische Erziehungs- und Beziehungsarbeit und den Standards, die für die schulische Suchtprophylaxe gelten.

Empfehlenswert sind daher Modelle, die oben genannte Bedingungen positiv berücksichtigen, z. B. das Rauchausstiegsangebot, das Berliner Lehrer/innen nach absolviertem Kurs und unterstützender Praxisbegleitung in den Schulen anbieten können.

Interessierte Kontaktlehrer/innen melden sich über die Koordinatoren/innen für Suchtprophylaxe zu einer Fortbildung in Moderationstechniken eines Rauchausstiegskurses an. Der Kurs orientiert sich an dem Programm "Rauchfrei in 10 Schritten", der motivierenden Gesprächsführung sowie den Empfehlungen des BZgA-Leitfadens "Auf dem Weg zur rauchfreien Schule". Wenn dieser Kurs erstmalig durchgeführt wird, bekommen die Leiter/innen Supervision, organisiert durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. Erfahrungen und Probleme können dann fachgerecht besprochen werden.

Schüler und Schülerinnen, die Interesse an einem solchen Kurs haben, sollten sich daher an ihre/n Kontaktlehrer/in wenden. Die können zwar keine Erfolgsgarantien aussprechen, aber die gibt es sowieso nur bei unlauteren Anbietern.

Kontakt:
Heinz Kaufmann
Lehrer, Moderator und Koordinator für Suchtprophylaxe
eMail: sucht022@suchtprophylaxe-berlin.schule.de

Weitere Infos zur Suchtprophylaxe an Berliner Schulen:
www.berlin.de/sen/bildung/hilfe_und_praevention/suchtprophylaxe

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